Die öffentliche Präsentation des Stresstests, für den Heiner Geißler am 30. November 2010 plädiert hatte, sollte die Schlichtung für Stuttgart 21 abschließen. Tatsächlich hat sie aber keinen Schlusspunkt, sondern einen bedeutenden Einschnitt markiert. Nachdem Befürworter und Gegner sich erst stundenlang unversöhnlich gegenübergestanden hatten, stellte Geißler fest, S21 sei ausdiskutiert und überraschte mit einem unerwarteten Vorschlag: einer Kombination aus Kopf- und Tiefbahnhof.

Die Kombinationslösung

Erarbeitet hatte Geißler den Vorschlag mit dem Titel „Frieden in Stuttgart“ zusammen mit dem Schweizer Verkehrsberatungsbüro SMA, das auch die Computersimulation zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit des geplanten unterirdischen Bahnhofes durchgeführt hatte. Das 16-Seiten-Papier sieht vor, dass der Fernverkehr vier- statt achtgleisig durch den Tiefbahnhof läuft, während der Nahverkehr über einen verkleinerten Kopfbahnhof abgewickelt werden soll, so dass der Südflügel des Bahnhofs erhalten bliebe und die Einschnitte im angrenzenden Schlosspark kleiner ausfallen würden. Die Kosten werden auf bis zu drei Milliarden Euro geschätzt, wären also deutlich geringer als die Kosten des geplanten Tiefbahnhofes, die inzwischen mit 4,1 Milliarden Euro veranschlagt werden.

Eine gar nicht so neue Alternative

Bereits Anfang der neunziger Jahre war eine ähnliche kombinierte Lösung vorgeschlagen und wieder verworfen worden. Während des Schlichtungsverfahrens wurde dieser Vorschlag erneut aufgegriffen und wiederum als (damals im Vergleich zu den Kosten des Tiefbahnhofes) zu teuer abgelehnt. Eine Situation, die sich inzwischen umgekehrt hat, da die Kosten für den Neubau von ursprünglich 2,5 auf über vier Milliarden Euro angestiegen sind. Verhalten bis skeptisch reagierten auch jetzt beide Seiten.

Der Bahnvorstand will auf jeden Fall weiterbauen, das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 stellt dagegen die Bedingung eines sofortigen Bau- und Vergabestopps. Klar ist beiden Seiten, dass die Kompromisslösung zwar die Vorteile beider Varianten kombiniert, genauso aber auch die Nachteile beider Ansätze in Kauf genommen werden müssen. Die Bürger dürfen indes möglicherweise demnächst in einer Volksabstimmung über den Ausstieg des Landes aus der Finanzierungszusage entscheiden.

Autor: Tobias Zimmermann
Bildquelle: welt.de
Kategorieen: News

Comments are closed.

Top Posts

Proteste gegen Papst


Notice: Undefined variable: excerpt in /www/htdocs/w00cf02a/politischesoziologie.de/wp-includes/deprecated.php on line 1686
Auf Einladung des Bundespräsidenten Christian Wulff wird das Oberhaupt der ...

Occupy protestiert g


Notice: Undefined variable: excerpt in /www/htdocs/w00cf02a/politischesoziologie.de/wp-includes/deprecated.php on line 1686
Die Occupy-Bewegung hat auch die wohlhabende und eigentlich eher wenig ...

Stuttgart 21 und das


Notice: Undefined variable: excerpt in /www/htdocs/w00cf02a/politischesoziologie.de/wp-includes/deprecated.php on line 1686
Das Moratorium zum Stopp der Bauarbeiten für das umstrittene Bahnprojekt ...

Altersarmut in Deuts


Notice: Undefined variable: excerpt in /www/htdocs/w00cf02a/politischesoziologie.de/wp-includes/deprecated.php on line 1686
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Studien zur finanziellen Situation ...

Niedriglöhne und wi


Notice: Undefined variable: excerpt in /www/htdocs/w00cf02a/politischesoziologie.de/wp-includes/deprecated.php on line 1686
Der aktuelle wirtschaftliche Aufschwung scheint an einer ganzen Reihe von ...

Privacy Preference Center

Close your account?

Your account will be closed and all data will be permanently deleted and cannot be recovered. Are you sure?